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Love Hurts (Essay) đŸ“·âœïž

Retrospective "Ich habe mich weit geöffnet, habe mich entblĂ¶ĂŸt vor dir. Meine Seele war dein, meinen Körper habe ich dir ganz und gar ĂŒberlassen. Ich bat dich, meine tiefsten Geheimnisse zu erleben bis zur Extase, du solltest sie hĂŒten und bewahren. Du hast sie mit Vorsatz verraten, mich leichtfertig verkauft. Jetzt bin ich nackt. Du sahst mich, wie kein anderer es jemals zuvor tun durfte und hast mir meine Obsessionen mit lieblicher Zunge entlockt. Die Kleider, die ich trug, waren deine Fantasie. Nur dir erlaubte ich, mich zu schmecken wie du es mochtest, zu hören in Tönen nach deinen WĂŒnschen und zu fĂŒhlen an Stellen deines Begehrens. Ich habe mich dir hingegeben, weil ich dich liebte. Ohne Bedingung, ohne Vorbehalte – ohne Vorsicht vor Verletzungen. Ich habe erlebt, genossen und gelernt, Vertrauen gehabt, dich blind geliebt und mich selber neu gefunden. Jetzt bist du weg, ich war dir nicht mehr genug. Gebogen bin ich nun, zu sehr in deine Richtung. Ich fĂŒhle keine Haltung mehr. Ich war zu schwach und du zu stark, hab‘s nicht gemerkt, zu spĂ€t erkannt. Nun kann ich alles sehen und lesen – auf Facebook, Google und im Blog. Du hast mich vergewaltigt vor allen Augen, virtuell im Web 2.0. Ich traue nicht dem was ich sehe, nicht mal mehr dem eigenen Spiegelbild. Ich hab geliebt, gegeben und vertraut. Jetzt ist meine Seele öffentliches Eigentum, glĂ€sern fĂŒr jedermann zu durchschauen. Und wieder befriedige ich diese Triebe – mit jedem Mausklick spĂŒre ich millionenfach Augen und HĂ€nde auf meinem Körper. Vertrauen massenhaft missbraucht."

Text & Photo from the album "Comments on modern Society" by Chris Neumann 2012 In diesem Motiv habe ich einige meiner Gedanken zum leichtfertigen Umgang mit privaten, intimen und vertraulichen Fotos thematisieren. Nie zuvor war es einfacher, jede Situation, jeden Moment mit einem schnellen Schnappschuss festzuhalten. Nie zuvor war allerdings auch die Gefahr grĂ¶ĂŸer, die Kontrolle ĂŒber diese Zeugnisse zu verlieren. Das eigene unachtsame (Fehl-)Verhalten ist ein erster Schritt. Die grĂ¶ĂŸte Bedrohung fĂŒr das Recht auf seelische und körperliche Selbstbestimmung lauert jedoch da, wo sie meist zuletzt vermutet wird: Beim ersten Freund/der Freundin, beim Ehemann/der Ehefrau oder bei der heimlichen Liebschaft. Liebe gut, alles gut - solange bis blinder Hass, maßlose EnttĂ€uschung und rasende Wut aus einer Versuchung eine Tat werden lassen!


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