VOM BILD

ZUM MOTIV

Ein Essay mit Gedanken zum Entstehungsprozess eines Motivs 

SHUTTERSPIED inszeniert seit mehr als 25 Jahren vielfach ausgezeichnete Bilder & Geschichten, schreibt Essays und  Blogbeiträge über die Entwicklung der Fotografie und seine eigene fotografische Arbeit mit Menschen.

Kein Bild ohne Idee

Betrachtet man das fertige Bild als einen Entwicklungsprozess, so wird schnell deutlich, dass eine kurze Beschreibung dieses Vorgangs mit wenigen Worten unmöglich ist. Die fotografischen Umsetzung eines Motivs bedarf immer einer ersten Idee, einem Thema oder einer realen Situation. Während letzere zumeist nur kurz verweilenden Momente "einfängt", bei der eine inhaltliche Inszenierung schon wegen des minimalen Zeitfensters nicht möglich ist, basiert die Entwicklung einer Motividee auf dem intensiven Studium des zugrundeliegenden Themas. Dabei ist nicht der Ausgangspunkt (die Idee) das entscheidende Kriterium über den Erfolg oder Misserfolg, sondern das Ergebnis (das fertige Foto), mit dem die zentrale Botschaft (die Bildaussage) transportiert werden soll. Der Fotograf zäumt also buchstäblich das Pferd von hinten auf. 

 

Bildaussage und Bildsprache

Nach Entwicklung der Bildaussage folgt die grundsätzliche Festlegung auf eine Bildsprache, die die spätere Wirkung auf den Betrachter aufzeichnet. Die Bildsprache beinhaltet die Farbgebung und die Umgebung (die Umstände) in denen das Motiv seine gewünschte Wirkung entfalten kann. Der essentielle Aspekt bei der Verwirklichung eines aussagekräftigen Motivs ist das Model, dessen "Spiel" vor der Kamera letztendlich die Botschaft an den Betrachter übermittelt. Bereits beim Entwickeln der Idee muss also feststehen, über welche emotionalen und charakterlichen Fähigkeiten das Model verfügen muss, um die beabsichtigte Botschaft glaubwürdig, mit Leidenschaft, Emotionalität und ohne Kompromisse an die beabsichtigte Intensität des Themas darstellen zu können. Die Komplexität der charakterlichen Anforderungen reduziert die zur Auswahl stehenden Models erfahrungsgemäß sehr stark. Entsprechend wenige "Auserwählte" stehen dem Fotografen für die Inszenierung von körperlich und emotional intensiven Motiven zur Verfügung. Junge Models sind dabei in der Regel wenig geeignet, da der Prozess der Persönlichkeitsbildung und charakterlichen Festigung erst im Laufe der Lebensjahre vollendet ist.

 

Charakter und Persönlichkeit 

Das bedingungslose Einlassen, die Identifikation mit dem Thema und die charakterliche Stärke, sich auch schwierigen Themen zu nähern, deren Umsetzung beispielsweise gesellschaftlich moralische Aspekte tangiert, ist für den Fotografen unbedingte Voraussetzung beim Streben nach Authentizität in seinen Inszenierungen. Sie ergänzt sich durch ein vertrauensvolles Miteinander, ohne hierarchische Strukturen, die es dem Model ermöglichen, bereits während der Ideenfindung Teil des Motivs zu werden.

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