GOOD BYE SEVENTIES

Aachen, Germany

In vielen Teilen sind meine fotografischen Arbeiten bis heute geprägt vom frühen Einfluss durch Helmut Newton, der die klassische Aktfotografie in den 60er und 70er Jahren durch seine direkte und nicht selten provozierende Bildsprache revolutionierte. Wie bei nahezu allen Fotos dieser Zeit, deren Motivik sich mit der Darstellung des weiblichen Körpers in einem sexuellen Kontext befasste, war die sichtbare (üppige) Schambehaarung der Models eine ganz normale Erscheinung.


Als Fotograf habe ich die Trendwende hin zu aalglatten Schößen miterlebt – einige meiner früheren Bilder stammen noch aus dieser Zeit. Heutzutage wird sich jedoch kein noch so charakterfester Verfechter von weitestgehend naturbelassener Genitalmähne diesbezüglich freiwillig outen. Denn im besten Fall stößt er auf kopfschüttelndes Unverständnis oder es hagelt gar Spott und Verunglimpfungen.


Heute ist der Kahlschlag als Modeerscheinung das Maß aller Dinge, denn mit Körperhygiene hat das entfernen der Intimbehaarung - wissenschaftlich belegt - rein gar nichts zu tun. Mit Ästhetik auch nicht. Sind in den 70er-Jahren noch alle mit Busch flaniert, so wurde das Mitte der 90er-Jahre so verpönt, dass man hier und heute in der Altersgruppe 16 bis 40 beinahe schon von einem Tabubruch sprechen muss, wenn sich ein Mädchen oder eine Frau zum Schamhaar bekennt. Was früher Trend und ganz selbstverständlich war, wie die besonders ausladenden Schulterpolster der 80er, ist Intimbehaarung heute so stigmatisiert wie eben solche. Darüber mag man denken, wie man will.

 

Mich inspirierte die Chronik der haarigen Entwicklung zwischen den weiblichen Schenkeln zu dem hier gezeigten Motiv, in dem ich mit sehr direkten visuellen „Markern“ die Transformation vom Bären zum Aal, vom Schoßdschungel zur Intimglatze, interpretiert habe. Mein ganz besonderer Dank geht hier an meine Muse Petra C., die sich trotz anfänglicher Skepsis und gemeinsamer kontroverser Gedankenspiele (die mögliche Stigmatisierung!) bewusst dem Thema verschrieb, meine Idee offen mit trug und so dem Motiv die nötige (und wichtige) Intensität verlieh! Im Ergebnis haben wir auf jegliche visuelle Radikalität nach beiden Seiten hin verzichtet. Was bleibt, ist die "goldene Mitte" und ein trotzdem sehr ästhetisches Statement für den Wandel der Zeit und gegen reflexhaftes Schubladendenken. The Freedom to express!

PORTFOLIO #046

"Der Verschluss, die Blende und Sucher einer Kamera sind niemals dazu gedacht gewesen, alle sichtbaren Eindrücke ungefiltert auf den Chip oder Film zu belichten, sondern dazu, die unwichtigen, zu lauten, zu leisen, zu großen oder zu kleinen auszublenden. Je nachdem, wie der Fotograf empfindet, wenn er den Auslöser betätigt."