BUS STOP

Brusseles, Belgium

Nach der spannenden Erfahrungen, die ich bei der Entstehung des Motivs "NYC" gemacht habe, reifte schnell der Gedanke, ein weiteres "Spektakel" folgen zu lassen. Die Resonanzen waren, das muss ich ehrlich sagen, überwältigend. Und das, obwohl diese Art Inszenierungen oft auf Unverständnis stoßen. "Wie kann man nur..!" Überraschen aber, dass trotz aller kontroversen Kommentare und Reaktionen niemand das Foto als "schlecht" kategorisiert hat. Scheinbar tangiere ich mit meinen Ideen eine tiefsitzende psychologische Verwerfungsspalte in den Köpfen der Betrachter und löse damit regelmäßig einen neuronalen Kampf zwischen dem Groß- und dem Zwischenhirn aus. In letzterem sitzt ja bekanntlich der Hypothalamus, der neben Hunger, Durst und dem Wach- und Schlafrhythmus auch den Sexualtrieb steuert. Einerseits möchte man gar nicht mehr aufhören, das Bild in all seinen Einzelheiten zu betrachten. Andererseits meldet sich vehement der moralische Schweinehund zu Wort. Und der muss einfach opponieren und den eigenen einstudierte Moralansichten verteidigen. Und da steht er nun, der Betrachter, zwiegespalten zwischen Begeisterung und Verurteilung. Öffentlich siegt der Protest. Insgeheim und im Privaten feiert der Voyeur seinen Erfolg. Glücklicherweise ist das so. So sind Menschen. Trotz jahrelanger Evolution sind unsere Sinne und Instinkte vollständig unterdrückbar. Und diesen kleinen Fehler mache ich mir als Fotograf gerne und immer wieder zu Nutzen. So wie hier, mit einem neuen Motiv, an dem sich freilich wieder die Geister scheiden werden.  

PORTFOLIO #075

“I look for ambiguity because life is ambiguous!”